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Franz Schömbs ist als Künstler und Mensch ein Avantgardist, der zwischen allen Stühlen sitzt.

Er ist der Typus eines Universalgelehrten, mit vielen Kenntnissen aus unterschiedlichen Bereichen der Wissenschaft.

Die Filme von Schömbs sind im bundesdeutschen Film der 1950er-Jahre seltene Kunstwerke. Sie zeigen die versteckten Strömungen, die unter der Oberfläche der Heimatfilme brodelten, bis 1962 Filmemacher in Oberhausen unter dem Titel „Papas Kino ist tot“ neue filmische Formen und Erzählweisen sowie die Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Realität der Bundesrepublik fordern.





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Friedrich Soyez über Franz Schömbs, 1991











Franz Schömbs wird 1909 in Mannheim geboren. Der Vater ist Kaufmann, die Mutter eine ausgebildete Schauspielerin. Zusammen haben sie vier Kinder. Das familiäre Umfeld ist Kultur und Theater gegenüber sehr aufgeschlossen.

1911 zieht die Familie nach Frankfurt/Main und lebt später in Neustadt/Weinstraße. Hier geht er zur Schule und studiert nach dem Abitur an der Kunstakademie Karlsruhe und der Meisterschule für Grafik Kaiserslautern.

Ein Praktikum bei einem Fotografen und das daraus entstehende Interesse für Fotografie und das Thema „Farben“ wird für seinen weiteren künstlerischen Lebensweg bestimmend.



Franz Schömbs, Selbstporträt, 1936



Seine abstrakten Arbeiten, die ab 1929 entstehen, beschäftigen sich mit der Farbe als Wesen der bildlichen Darstellung.

Theoretisch setzt er sich ausgiebig mit der Farbenlehre auseinander, vor allem mit der Farbenlehre des Chemikers und Philosophen Wilhelm Ostwald.











In den 1930er-Jahren wird neben der Farbe das Thema Bewegung immer zentraler.

Je mehr er sich mit dem Darstellen von Sehempfindungen beschäftigt, wird immer deutlicher, dass er auch die Bewegung und den zeitlichen Ablauf darstellen muss, in der eine solche Erfahrung gemacht wird.







Diese Erkenntnis wird von nun an eines seiner zentralen künstlerischen Themen. Schömbs versucht Bewegung mit anderen Bildformaten darzustellen, z. B. sogenannten „Reihenbilder“ (1937).

Die aufeinanderfolgenden Bilder weichen nur geringfügig voneinander ab – wie bei einem Trickfilm – doch noch ist es der Betrachter, dem die Bewegung auferlegt wird.

So kommt Schömbs zum Film.

Aber einen Trickfilm in dieser Zeit zu produzieren ist zu teuer. Er experimentiert mit Filmmaterial, kratzt und zeichnet darauf oder färbt es ein.

Damit seine Versuche kein Aufsehen bei den Nationalsozialisten erregen, lässt er sein Material in einer chemischen Versuchsanstalt entwickeln.



In den späten 1930er-Jahren entstehen auch die ersten Überlegungen und Arbeiten zu seinem Film „Geburt des Lichts“.

1943 werden sein Atelier in Mannheim und all seine Arbeiten bei einem Bombenangriff zerstört.

Erhalten ist aber eine Serie von über zwanzig runden Arbeiten, die er 1943 beginnt und in denen er quasi Momentaufnahmen seiner Ideen für eine filmische Umsetzung festhält.













1947 zieht er in den 5. Stock der Alten Sternwarte Mannheim. Dort macht er sich an die Umsetzung seiner Ideen und erfindet ein eigenes Filmaufnahmeverfahren.

Dafür bemalt er lange Bildstreifen mit einer mathematisch genau berechneten Abfolge von Formen und Mustern. Diese werden über einen Kasten gekurbelt, in dessen Mitte eine Kamera und ein Spiegel sitzen, der die Bildstreifen optisch mischt.

1948 entsteht ein erster Prototyp: Ein 8-mm-Film, der 2,5 Minuten dauert und den Titel „Opuscula“ trägt. Der kurze Film ist eine farbige Bewegungskomposition abstrakter Motive, die sich gegenseitig durchdringen.



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Mit diesem Film geht Schömbs auf Reisen, hält Vorträge und sucht Sponsoren für einen längeren Film, den er „Geburt des Lichts“ nennt.





Die Töchter von Franz Schömbs vor der Alten Sternwarte in Mannheim





Im Frühjahr 1948 heiratet Franz Schömbs und im November 1948 kommt die erste Tochter zur Welt, 1950 die zweite. Der fünfte Stock in der Sternwarte ist Atelier und Wohnung zugleich.

Er unterrichtet in dieser Zeit an der Freien Akademie Mannheim Malerei. Sein zentrales Anliegen: die abstrakte Kunst zu vermitteln. Sein Atelier ist ein beliebter Ort der Diskussion mit Student:innen und anderen Interessierten.

In der Nachkriegszeit ist der Alltag für Künstler schwierig, weil es kaum einen Kunstmarkt gibt. Immer wieder muss Schömbs die Stadtverwaltung um Aufschub der Mietzahlungen bitten.



Schömbs ist sehr engagiert in der Kulturpolitik der Stadt. In Vorträgen, etwa in der Kunsthalle Mannheim, versucht er dem Publikum die abstrakte Kunst näherzubringen und erntet oft Missverständnis und Ablehnung. In seinem Tagebuch schreibt er:

Dies sind Erfahrungen, die er noch sehr oft in seinem Leben macht.







Neben den Filmen entstehen immer wieder Kunstwerke, die das Sichtbarmachen zeitlicher Abläufe und der Bewegung thematisieren:

Das „Inbild“ (1955), das er in der Galerie Probst im Mannheimer Schloss zeigt, ist so eine Arbeit.

Eigentlich als Kugel geplant, wird die Arbeit als Zylinder von fünf Metern Durchmesser, 16 Metern Länge und zwei Metern Höhe realisiert. Der Betrachter geht hinein und läuft darin umher.













Oder sogenannte „Springwerke“ (1957) – bei denen das Bild nach rechts und links aus dem Rahmen springt.

Als Künstler versteht Schömbs sich sein Leben lang als Maler.

Von abstrakten Zeichnungen, über die Malerei und seine Filme, bis hin zu seinen Springwerken, beschäftigt er sich stets mit der Verbindung von Farbe und Bewegung.









1957 zieht Schömbs mit seiner Familie nach München. Walter Koch und seine Firma UNDA-Film bieten ihm die Möglichkeit, seine Filmidee „Geburt des Lichts“ zu realisieren.

Koch produziert einen abendfüllenden Film mit dem Titel „Maya“, der aus mehreren Episoden unterschiedlicher Regiseure besteht und damit die Avantgarde des bundesrepublikanischen Films präsentiert.



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Am 1.7.1957 ist die Premiere von „Maya“ im Tauentzien-Palast.

Der Film wird als Sondervorführung im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin gezeigt. Die Reaktionen sind durchaus positiv.







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Aber als der Film in den Verleih geht, reagiert das Publikum bei den Vorführungen eher „schockiert“ und äußert sein Missfallen an dem Film in Pfeifkonzerten. In vielen Kinos läuft der zehnminütige Film nicht einmal vollständig.

Diese Kritik hält Franz Schömbs jedoch nicht davon ab, sich dem nächsten Filmprojekt zuzuwenden: einem Tanzfilm.





Schömbs nennt den Film zuerst „Den Einsamen. Allen“, später „Transreale Strukturen“.

Er zeigt die Tanzenden und ihre Bewegungen abstrahiert zur Silhouette und nur mittels Filmnegativ.

Die Tanzbewegungen werden nach dem Dreh von Schömbs durch Schnitt und Montage verändert, geschnitten und übereinandergelegt. Das Filmnegativ wird eingefärbt. Auch dieser Film läuft auf mehreren Festivals und auf der Weltausstellung 1967 in Montreal.





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Der Tanzfilm erhält ebenfalls das Prädikat „besonders wertvoll“, aber in einen Verleih kommt er nicht.





Schömbs wirkt 1964/65 noch bei der Verfilmung von Oskar Schlemmers „Triadischem Ballett“ mit, dann zieht er sich in sein Atelier zurück.

Nach einer Ausstellung 1971 in München verabschiedet sich Schömbs endgültig aus dem Kunstbetrieb.

Er entwickelt auf Papier weitere Ideen und verfasst Texte, in denen er ästhetische und gesellschaftspolitische Ansätze verknüpft und Untersuchungen zur Wahrnehmungsphysiologie und Farblehre anstellt.

Franz Schömbs stirbt 1976 in München.















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Anneliese Schömbs, Franz Schömbs Ehefrau, 1991.



Dank Anneliese Schömbs' Engagement nach dem Tod ihres Ehemanns, sowie der Unterstützung durch ihre Töchter finden die Arbeiten des Künstlers einen festen Platz.

Der filmische Nachlass und die gemalten Filmstreifen befinden sich heute im Deutsche Filminstitut und Filmmuseum (DFF) in Frankfurt a. M., der künstlerische Nachlass bei den Künstlernachlässen Mannheim und der schriftliche Nachlass im MARCHIVUM Mannheim.





Impressum

Franz Schömbs (1909–1976) ist ein Projekt der Künstlernachlässe Mannheim

Herausgeber und Copyright: Künstlernachlässe Mannheim, 2026

Texte: Silvia Köhler, Dr. Susanne Kaeppele

Redaktion: Silvia Köhler

Umsetzung: Sophia Denk

Realisiert mit PAGEFLOW

Film- und Bildmaterial: Künstlernachlässe Mannheim, H. – J. Schröder, Familie Schömbs, MARCHIVUM Mannheim, Deutsches Filminstitut und Filmmuseum Frankfurt, Filmbeitrag BIZZ SWR3, 1991

Künstlernachlässe Mannheim, Waldparkstr. 28A, 68163 Mannheim gesetzlich vertreten durch Silvia Köhler

Telefon: 0151 287 07 629

E-Mail: info@kuenstlernachlaesse-mannheim.de

www.kuenstlernachlaesse-mannheim.de

Verantwortlich im Sinne des Rundfunkstaatsvertrags: Silvia Köhler, Künstlernachlässe Mannheim, Waldparkstr. 28A, 68163 Mannheim