Paul Löfflers Biografie ist geprägt vom Aufwachsen in der Zeit des Nationalsozialismus, dem Zweiten Weltkrieg und den Aufbaujahren danach.
1920 in Mannheim geboren, muss er als Abiturient zum Arbeitsdienst und wird gleich zu Kriegsbeginn eingezogen. Er ist Soldat bis zum Ende des Krieges.
1945 macht er eine Ausbildung zum Grafiker bei der ehem. Graphischen Druckanstalt Landmann, Mannheim-Neckarau.
Dann beginnt er ein Studium bei Carl Trummer an der Freien Akademie in Mannheim und studiert 1949/1950 an der Staatliche Kunstakademie Düsseldorf.
Die Ausbildung zum Grafiker und das Studium verschaffen ihm ein solides handwerkliches Fundament.
Von 1950 an arbeitet er als freier Grafiker und Maler. Seine Arbeiten finden viel Anerkennung. Er ist in der Region bestens mit anderen Kunstschaffenden vernetzt.
1951, 1953 und 1954 erhält er den Kunstpreis der Freunde der bildenden Kunst e. V. München, 1955 den Kunstpreis der Jugend Baden-Baden 1955.
Löfflers Malerei ist überwiegend gegenständlich. Inspiriert von Impressionismus und Expressionismus lösen sich auf seinen Arbeiten die Formen leicht auf.
Sie haben ein großes Spektrum an unterschiedlichen Farbtönen, die sich manchmal auch widersprechen.
Landschaften machen einen großen Teil seines Gesamtwerkes: kleine Dorfstraßen, Waldstücke, Feldwege – meist Orte in der Rhein-Neckar Region.
Mit wenigen Bleistift- oder Tuschestrichen gibt Löffler in diesen Arbeiten die Atmosphäre und den Gesamteindruck einer Landschaft wieder.
Oft haben sie einen skizzenhaften Charakter und wirken wie eine Momentaufnahme.
v. l. n. r.: Paul Löffler, o. T. (Landschaft am Fluss), o. J. Tusche auf Papier, 55 x 66 cm; Paul Löffler, o. T. (Berglandschaft mit kleinen Hütten), o. J. Tusche auf Papier, 50 x 60 cm; Paul Löffler, Wald, o. J. Öl auf Leinwand, 62 x 80 cm
In den 1950er-Jahren ist der Hafen für Paul Löffler und viele andere Mannheimer Künstlerinnen und Künstler ein beliebtes Motiv.
Der Hafen symbolisiert den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg und die Hoffnung auf ein Leben, das langsam besser wird.
v. l. n. r.: Paul Löffler, o. T. (Hafenkai Mannheim), o. J. Aquarell auf Papier, 42 x 56 cm; Paul Löffler, o. T. (Hafen Mannheim), vermutlich 1950er-Jahre, Öl auf Leinwand; Paul Löffler, o. T. (Hafen), vermutlich 1950er-Jahre, Aquarell
Paul Löfflers Hafenbilder entstehen meist direkt vor Ort.
Skizzen mit Tusche oder Kreide überträgt er später in seinem Aterlier auf Leinwand.
In vielen Mannheimer Wohnungen hängen bis heute Löfflers eindrucksvolle Papierarbeiten und Ölbilder, die dieses Motiv zeigen.
1961/1962 geht Löffler zu einer Fortbildung nach New York und besucht Seminare zum Thema des Abstrakten Expressionismus.
Von der „Stadt die niemals schläft“ ist er ab dem ersten Tag fasziniert: Von der Dynamik, den Wolkenkratzern – überhaupt den ganz anderen Dimensionen. Verschiedene Stadtansichten halten diese Eindrücke und seine Begeisterung fest.
v. l. n. r.: Paul Löffler, o. T. (Brooklyn Bridge), o. J. Aquarell; Paul Löffler, Ansicht New York, o. J. Gouache, 110 x 125 cm
Stillleben sind ein anderes zentrales Sujet bei Löffler. Diese Arbeiten zeigen den Einfluss von Paul Cézanne, der in Deutschland erst nach 1945 sehr wesentlich wurde.
Hier gelingt es ihm, Farben und Formen so harmonisch zu gestalten, dass eine visuelle Balance entsteht.
Wie auch Cézanne versucht Löffler, die Natur so originalgetreu wie möglich darzustellen und sich der Realität anzunähern, aber ohne vollständig an ihr festzuhalten.
Die Gegenstände und die Räume, in denen er diese inszeniert, beginnen sich aufzulösen und miteinander zu verschmelzen.
Dies steht im Gegensatz zu Cézannes Stillleben, die eher flächig sind und stärker an der Form festhalten.
v. l. n. r.: Paul Löffler, o. T. (Stillleben mit Milchkanne und zwei Birnen), Gouache, 54 x 41.5 cm; Paul Löffler, o. T. (Toter Fasan auf Tischplatte), Öl auf Leinwand, 70 x 90 cm; Paul Löffler, o. T. (Stillleben mit Steingutflasche und drei Quitten), 1951, Öl auf Leinwand, 44.5 x 49.5 cm
Löffler ist ein fantastischer Porträtist. Mit verschiedenen Techniken fängt er mit sehr viel Sensibilität, das Wesen der Menschen ein.
Viele Porträts entstehen als Auftrag, aber er hält seine Eindrücke der Menschen auch spontan fest, wenn er ihnen begegnet – so das Porträt von Hermann Hesse, den er auf einer Reise in die Schweiz trifft.
v. l. n. r.: Paul Löffler, o. T. (Porträt Hermann Hesse), o. J. Tusche und Bleistift auf Papier, 55 x 43 cm; Paul Löffler, o. T. (Porträt Mann), 1968, Mischtechnik auf Papier, 69 x 44 cm; Paul Löffler, o. T. (Porträt junger Mann), o. J. Aquarell auf Papier, 64 x 50 cm; Paul Löffler, Selbstporträt, o. J. Öl auf Leinwand, 90 x 70 cm
Löfflers technisches Können zeigt sich vor allen in seinen Radierungen.
Hier schafft er aus realistischen und abstrakten Elementen eine unwirkliche Welt, die sehr an die Werke der Surrealisten ab den 1920er-Jahren und besonders an Salvador Dalí erinnern.
v. l. n. r.: Paul Löffler, o. T. (Aufgebahrte Figur auf Tisch vor Gebirge), o. J. Radierung, 32 x 50 cm; Paul Löffler, o.T. (Figuren), o. J. Radierung, Ex. 1/20, 48,5 x 57 cm; Paul Löffler, o. T. (Aufbäumendes Pferd und herabstürzendem Reiter), o. J. Radierung, Ex. 16/20.
Ab den späten 1970er-Jahren findet Paul Löffler ein neues Thema: Metamorphosen – Verwandlungen.
Diese Aquarelle zeugen von einer unheimlichen Dynamik und Lebendigkeit. Löffler gelingt es, in den Metamorphosen einen Übergang von naturalistisch gehaltenen Objekten in abstrakte Formationen auf Papier zu bringen.
Rasterartige Linien geben den organischen Formen Halt und bringen Struktur in die Kompositionen.
Löffler bewegt sich in den Metamorphosen weit über seine bisherigen Bildfindungen hinaus und berührt erneut deutlich den Surrealismus, aber auch die Abstraktion.
Immer wieder unterrichtet Löffler an Schulen in Mannheim oder an der Abendakademie. Ab 1971 ist er in Frankenthal als Kunsterzieher am Pfalzinstitut für Hörsprachbehinderte tätig.
In der Auseinandersetzung mit der Kreativität der gehörlosen Kinder findet er seine zweite Profession. Er erkennt die unglaubliche Kreativität, die in ihnen steckt und ermuntert sie zu großen Formaten.
Die Bildende Kunst verändert sich in Deutschland durch die Einflüsse aus den USA seit den 1960er-Jahren radikal.
Auch wenn Paul Löffler in seinen Arbeiten immer wieder Ausflüge in die Abstraktion unternimmt, bleibt er den traditionellen Themen verpflichtet.
Er stirbt am 30. August 1995 in Mannheim.
Impressum
Paul Löffler (1920-1995) ist ein Projekt der Künstlernachlässe Mannheim
Herausgeber und Copyright: Künstlernachlässe Mannheim, 2025
Texte: Silvia Köhler, Dr. Susanne Kaeppele und Sophia Denk
Redaktion: Sophia Denk, Silvia Köhler
Umsetzung: Sophia Denk
Realisiert mit PAGEFLOW
Bildmaterial: Künstlernachlässe Mannheim, MARCHIVUM, H.-J. Schröder und aus Privatbesitz.
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