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Medien



Viele Künstler:innen wollen mit ihren Kunstwerken politische Botschaften vermitteln.



Diese politischen Bezüge können dabei mehr oder weniger explizit sein: Manche kommentieren gesellschaftliche Entwicklungen unmittelbar, andere verhandeln politische Themen subtiler, etwa über Symbolik oder formale Entscheidungen.



Diese Auswahl zeigt, wie unterschiedlich Künstler:innen aus Mannheim auf politische Ereignisse, Debatten und Stimmungen reagieren.

Gleichzeitig macht sie sichtbar, dass Kunst immer auch ein Spiegel ihrer Zeit ist und Impulse für neue Perspektiven geben kann.

In den 1970er-Jahren engagiert sich Walter Stallwitz aktiv im Wahlkampf der SPD und unterstützt Willy Brandt.

In diesem Zusammenhang entsteht auch ein Porträt des damaligen Bundeskanzlers, in dem sich Stallwitz’ politisches Interesse und seine Nähe zu den gesellschaftlichen Umbrüchen der Zeit widerspiegeln.



Walter Stallwitz, Willy Brandt, 1976, Lithographie auf Papier, 64 x 47, 5 cm

Das Bild ist weniger als repräsentatives Staatsbild zu verstehen, sondern als künstlerische Auseinandersetzung mit einer politischen Persönlichkeit, die für Reform, Aufbruch und eine neue politische Kultur in der Bundesrepublik steht.



Stallwitz ist ein politisch und gesellschaftlich engagierter Künstler, dessen kritische Haltung sich deutlich in seinem Werk widerspiegelt.



Walter Stallwitz, Schöne Aussichten, 1990, Acryl auf Leinwand, 100 x 130 cm



In der Arbeit „Schöne Aussichten“ formen gestapelte Autos eine dystopisch anmutende Landschaft: Zwischen Kühltürmen und tiefen Abgründen verdichten sich Symbole industrieller Produktion und massenhaften Konsums zu einem düsteren Szenario.

Die Arbeit lässt sich als Kommentar zur Klimapolitik der 1990er-Jahre lesen und thematisiert die ökologischen Folgen menschlichen Handelns.



Zur Serie „Erdhaut“ inspiriert Peter Schnatz eine Reise nach Lanzarote und der dortige schwarze Vulkansand.

Die Werke sind eine eindringliche Auseinandersetzung mit dem Zustand der Erde und dem sorglosen Umgang des Menschen mit ihr.



Peter Schnatz, Erdhaut, 1990, Mischtechnik auf Leinwand, 80 x 60 cm

Zerstörung und provisorische Reparatur werden zum zentralen Motiv: Die Maloberflächen brechen auf, wirken verletzt und anschließend notdürftig wieder zusammengefügt.

So entstehen apokalyptische Landschaften, in denen sich ökologische Warnung und existenzielle Fragestellung überlagern. Die Erde erscheint nicht als stabile Grundlage, sondern als fragile Haut, die Spuren menschlichen Handelns trägt.

Der Titel „Wo warst du Adam? Böll“ dieser Arbeit von Ilana Shenhav bezieht sich auf einen Roman von Heinrich Böll aus dem Jahr 1951, in dem die moralischen und physischen Verheerungen des Zweiten Weltkriegs eindringlich geschildert werden.

Der literarische Bezug ist dabei mehr als eine bloße Referenz:

Er öffnet einen historischen und politischen Resonanzraum, in dem sich individuelle Erfahrung und kollektives Gedächtnis überlagern.

Ilana Shenhav, Wo warst du Adam? Böll, undatiert, Acryl auf Leinwand, 100 x 100 cm

Ilana Shenhavs Werk ist tief in ihrer Biografie und historischen Erfahrungen verankert. Als Kind ist sie im Ghetto Theresienstadt inhaftiert. Dieses Schicksal prägt ihr künstlerisches Denken und Arbeiten nachhaltig.

In ihren Werken setzt sie sich immer wieder mit literarischen und philosophischen Texten auseinander, um grundlegende Fragen nach Schuld, Erinnerung, Verantwortung und menschlicher Existenz zu verhandeln.

Mit "Krieg und Frieden oder Voltaire: Deine Meinung teile ich nicht, aber ich kämpfe dafür, dass du sie äußern kannst" verarbeitet Shenhav die politische Diskussion um die Einführung des Paragrafen 88a (Strafgesetzbuch).



Ilana Shenhav, Krieg und Frieden oder Voltaire: Deine Meinung teile ich nicht, aber ich kämpfe dafür, dass du sie äußern kannst, 1978, Pastell und Buntstift auf Papier, 60 x 83,9 cm



Um was geht es beim Paragrafen 88a?

Im Kontext der terroristischen Anschläge der RAF war es Ziel der Politik der Propagierung von Gewalt entgegen zu treten. Das Gesetz diente vor allem dazu, gegen den „linken Buchhandel“ und die sog. linken Kleinzeitschriften vorzugehen, die die RAF und ihre Aktionen unterstützten und Anleitungen zur Begehung von Gewalttätigkeiten oder Bedrohung von Menschen mit einer Gewalttätigkeit forderte oder befürwortete. Das Gesetz wurde 1981 abgeschafft.



Shenhavs Zeichnung zeigt, wie gefährdet die Freiheit permanent ist und setzt ein eindeutiges politisches Statement.

Kühltürme stehen für die Anti-Atomkraft-Bewegung. Zäune und Stacheldrahtpfosten erinnern an Gefängnisse und Konzentrationslager. Ein Hund mit Gasmaske bewacht die Szenerie.





In „Als 1974 der amerikanische Außenminister Kissinger weinte“ thematisisert Edgar Schmandt einen medial viel beachteten Moment der politischen Geschichte.

Der Titel verweist auf eine Pressekonferenz im Jahr 1974, bei der der damalige US-Außenminister Henry Kissinger im Zusammenhang mit den Nahost-Friedensverhandlungen sichtbar emotional wurde.

Edgar Schmandt, Als 1974 der amerikanische Aussenminister Kissinger weinte, 1974, Mischtechnik auf Leinwand, 100 x 100 cm

Schmandt greift diesen Augenblick auf, um die Bilder, mit denen Geschichte im öffentlichen Gedächtnis verankert wird sowie Politik als Bühne menschlicher Regungen zu hinterfragen.

Typisch für Schmandt ist hier der kritische Blick auf das tagesaktuelle Geschehen und das Verhalten des Menschen.



Elisabeth Bieneck-Roos ist als Industriemalerin bekannt und findet auf Baustellen und in Fabriken ihre Themen.

Mit den zahlreichen Baustellenansichten aus Mannheim schafft Bieneck-Roos ein visuelles Gedächtnis der Mannheimer Bau- und Wiederaufbaugeschichte. Sie zeigt auf, wie sich das Stadtbild verändert und damit auch die politischen Entscheidungen, die diesen Wandel ermöglichten.



Elisabeth Bieneck-Roos, Brückenschlag, 1989, Mischtechnik auf Papier, 73 x 65,5 cm



In „Brückenschlag“ ist eine Brücke im Bau zu sehen. Durch ihre Darstellung wirkt die Brückenkonstruktion monströs und gewaltig.

Die Künstlerin fasziniert hier nicht nur die Ingenieurleistung hinter dem Bauwerk, sondern auch seine (politische) Symbolträchtigkeit: Brücken stehen für Verbindung, die Überwindung von Abgründen und Fortschritt. So liefert Bieneck-Roos den Betrachtenden hier mehrere Assoziationsmöglichkeiten und regt zu einer Auseinandersetzung an.





Impressum

"Es geht darum aufzurütteln. Politische Bezüge in der Kunst" ist ein Projekt der Künstlernachlässe Mannheim

Herausgeber und Copyright: Künstlernachlässe Mannheim, 2026

Texte: Sophia Denk

Redaktion: Silvia Köhler

Umsetzung: Sophia Denk

Realisiert mit PAGEFLOW

Film- und Bildmaterial: Künstlernachlässe Mannheim, H. – J. Schröder, MARCHIVUM Mannheim, privat

Künstlernachlässe Mannheim, Waldparkstr. 28A, 68163 Mannheim gesetzlich vertreten durch Silvia Köhler

Telefon: 0151 287 07 629

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